Unsere Geschichte
 

Die Gründung 1953
Kinder, die ihrem Vater nach Jahren zum ersten Mal begegnen.
Frauen, die als Witwen ihre Kinder in größter Not alleine erziehen müssen.
Männer, die körperlich und seelisch verwundet aus Krieg oder Gefangenschaft zurückkommen.
Ehepaare, die nach langer Trennung nicht mehr zueinander finden.
Eine Gesellschaft im Umbruch und Neubeginn.
In den schweren Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939 – 1945) suchen immer mehr Menschen Orientierung in Lebenskrisen und Erziehungsfragen. Auf Anregung von Prälat Issler boten deshalb engagierte Frauen und Männer der Kirche ab 1947 ehrenamtlich Beratungsgespräche an und nahmen damit die evangelische Beratungsarbeit wieder auf, deren Anfänge bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs (1914 – 1918) zurückreichen.
Damals bot die Evangelische Gesellschaft Stuttgart den Ehefrauen von Soldaten seelsorgerliche Beratung in Ehefragen an. Nach dem Krieg wurde diese Arbeit von Frauen des evangelischen Volksbundes ehrenamtlich weitergeführt.Da die Nachfrage nach Beratungsgesprächen groß war, wurde 1930 in Stuttgart eine „Evangelische Eheberatungsstelle“ gegründet, die bereits im ersten Jahr von 160 Ratsuchenden in Anspruch genommen wurde. Diese Beratungsstelle befand sich zuerst im Brenzhaus, dann im Stiftsgemeindehaus und ab 1934 im Pfarrhaus der Heilandsgemeinde. Die Beratungsarbeit wurde ausschließlich von ehrenamtlich tätigen, sozial engagierten Frauen und Männern der evangelischen Kirche geleistet.
Die Not und das Elend der Familien nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führten dann zur Gründung der Psychologischen Beratungsstelle in ihrer heutigen Form. In der zerstörten Stadt begann man in der Sakristei der Leonhardskirche und später in der Teeküche des Gemeindehauses der evangelischen Gedächtnisgemeinde mit der Beratungsarbeit. Bald war klar, dass Ehrenamtliche allein die zunehmende Arbeit nicht mehr leisten konnten.Auf Initiative von Prälat Issler, Oberkirchenrat Dr. Manfred Müller und Frau Gertrud Mohrmann, Geschäftsführerin der Evangelischen Frauenhilfe, wird deshalb am 15. Mai 1953 die „Evangelische Beratungsstelle für Familien- und Erziehungsfragen“ mit eigenen Räumen in der Lindenspürstr. 17/1 gegründet.

  Die fachliche Konzeption
Das entscheidend Neue war, und deshalb nehmen wir auch den 15. Mai 1953 als eigentliches Gründungsdatum der Beratungsstelle, dass nun neben Ehrenamtlichen auch hauptamtlich angestellte Fachkräfte tätig waren, und dass neben Eheberatung auch Erziehungsberatung angeboten wurde.
Pfarrer Fritz, der erste Leiter der Beratungsstelle, schreibt 1955: „Der Anschluss der Erziehungsberatung schien wichtig, weil aus Eheschwierigkeiten oft Erziehungsnöte entstehen und die Praxis anderer Stellen gezeigt hat, dass man bei Erziehungsschwierigkeiten oft auf Ehenöte stößt“. Das war die Geburtsstunde der sogenannten „integrierten Beratungsstelle“, in der alle psychologischen Beratungsbereiche, also Erziehungs- und Jugend-, Ehe- und Partnerschafts- sowie Lebensberatung unter einem Dach angeboten wurden. Ergänzt wurde dieses Beratungsangebot von Anfang an durch zahlreiche Vorträge, Seminare und Fortbildungsangebote. Dieses Konzept hat sich bis heute bewährt. Methodischer Hintergrund waren Verfahren, die aus Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und humanistischer Psychologie abgeleitet waren. Bereits im ersten Jahr (1953) kamen 189 Menschen zur Beratung, davon 130 wegen Eheschwierigkeiten und 59 wegen Erziehungsfragen.Zum Gründungsteam der Beratungsstelle gehörten Oberkirchenrat Dr. Manfred Müller, Frau Gertrud Mohrmann, Geschäftsführerin der Evangelischen Frauenhilfe, Pfarrer Fritz, Frau Erna Zimmermann als erste hauptamtlich angestellte Psychagogin, Frau Elisabeth Molt und Frau Dr. Sabine Scharpf als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen mit einer Fortbildung in Ehe- und Lebensberatung; außerdem gehörten ein Jurist und eine Ärztin zum Gründungsteam. Bereits 1956 kam Frau Ilse Hilzinger als weitere hauptamtliche Psychagogin zur Beratungsstelle.
 

Ausbau und Modell
Da die Nachfrage nach Beratung rasch wächst, werden am 21. März 1955 neue Räume in der Tübinger Straße bezogen, und am 1. Dezember 1961 erfolgt der Umzug in die großzügigen Räume der Augustenstraße 39 B, sehr zentral gelegen am Feuersee im Stuttgarter Westen.
Von 1961 bis 1967 war die Psychologische Beratungsstelle Stuttgart zugleich Landesstelle der Psychologischen Beratungsstellen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie war Modell und Ausgangspunkt für die Gründung aller weiteren psychologischen Beratungsstellen der Evangelischen Landeskirche, u. a. in Tübingen, Ulm, Heilbronn, Reutlingen, Tuttlingen und Ravensburg.Die Trägerschaft der Beratungsstelle wechselte von der Evangelischen Frauenhilfe bei der Gründung über den Evangelischen Oberkirchenrat ab 1964 zur Evangelischen Gesamtkirchengemeinde ab 1996.
Die Zahl der Ratsuchenden wuchs von 189 im Gründungsjahr über 971 (1978) auf ca. 2000 im Jahr 2002. Seit der Gründung im Jahre 1953 besuchten ca. 60.000 Ratsuchende die Beratungsstelle.In den sechziger Jahren beginnt die enge Zusammenarbeit mit dem 1964 gegründeten Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin (EZI), dessen erste Leiterin, Frau Dr. med. Berta Sommer, zuvor die Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle Stuttgart war. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen dort ihre Aus- und Fortbildung in Ehe- und Lebensberatung. Ebenso eng ist die Verbindung der Bratungsstelle zu den psychoanalytischen Ausbildungseinrichtungen „Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie“ und analytische Psychotherapie sowie zum „C.G. Jung Institut“. Ende der siebziger Jahre wird das Beratungsangebot erweitert um die Familientherapie und Anfang der neunziger Jahre um Mediation und Supervision. Die Mitarbeiter machen dazu jeweils besondere Aus- bzw. Fortbildungen.

  Finanzielle Krise und Zukunftssicherung
Der Ausbau der Beratungsstelle war – auch in personeller Hinsicht – Ende der achtziger Jahre abgeschlossen. Von 1989 bis Anfang 2002 mußten nach Jahren wirtschaftlicher Sicherheit zwei Herausorderungen gemeistert werden: Zum einen zog sich die Evangelische Landeskirche in Württemberg 1996 aus der Trägerschaft zurück. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart übernahm dankenswerterweise die finanzielle Verantwortung für die Beratungsstelle, so dass die Beratungsarbeit uneingeschränkt fortgeführt werden konnte. Zum anderen beendete der Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern die Förderung der Beratungsstellen, so dass eine finanzielle Krise drohte. Erfreulicherweise war es möglich, dass die Stadt Stuttgart, die schon zuvor die Beratungsstelle bezuschusst hatte, ihre Förderung ausweitete und deshalb heute unser wichtigster Zuschussgeber ist. Diese gute Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart wurde durch den Abschluss des „Gesamtversorgungsvertrags“ am 1. Januar 2000 noch weiter gefestigt.
  Psychologische Beratung – Spiegel der Gesellschaft
Neben den persönlichen Fragen, die natürlich immer im Vordergrund standen, haben sich auch alle gesellschaftlichen und politisch wichtigen Themen der vergangenen 50 Jahre in unseren Beratungen widergespiegelt. Nur einige wenige seien genannt:
- der Wiederaufbau und das beginnende „Wirtschaftswunder“ in den 50er Jahren
- der sogenannte „Kalte Krieg“ und der Mauerbau in Berlin 1961
- die Zeit der Studentenunruhen ab 1968
- die Reform des Eherechts 1974 und wachsende Scheidungszahlen mit der Entwicklung neuer Familienformen
- die Angst vor Aids und später vor der Rinderseuche BSE
- Sorge um den Arbeitsplatz und um die Zukunft der Kinder in einer sich immer rascher verändernden Welt
- die Wiedervereinigung ab 1989 und in jüngster Zeit
- die Angst vor Terroranschlägen wie am 11. September 2001 in New York und der Krieg im Irak 2003
Auch Ereignisse wie die Tragödie von Erfurt im Sommer 2002, bei der ein Schüler mehrere Lehrerinnen und Lehrer und schließlich sich selbst erschoß, lösen in vielen Menschen massive Ängste aus, die dann auch in den Beratungen zur Sprache kommen.
Seit der Gründung der Beratungsstelle 1953 haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geändert, die individuellen -Fragestellungen und Ängste der Ratsuchenden sind gleich geblieben. Ziel war es damals und ist es heute, in den Beratungen einen Weg aus der Krise und Hoffnung für die -Zukunft zu finden.
Mit über 2.000 Ratsuchenden pro Jahr und etwa 60.000 Ratsuchenden seit ihrer Gründung leistet die Psychologische Beratungsstelle der Evangelischen Kirche in Stuttgart einen wichtigen Beitrag zum Angebot an psychologischer Beratung in Stuttgart.

Start

Wer wir sind: Das Team

Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung

Paar- und Eheberatung

Lebensberatung

Online-Beratung

Supervision

Öffentlichkeitsarbeit | Prävention

Die Kooperationspartner

Unsere Geschichte

Kosten

Kontakt | Anschriften | Öffnungszeiten

Impressum