Was ist Angst?

Angst ist eine Reaktion des Körpers auf eine als bedrohlich empfundene Situation. Bewertet das Gehirn eine Situation als gefährlich, löst es eine Reihe von körperlichen Reaktionen aus um uns zu schützen. Diese Reaktionen erscheinen uns heutzutage häufig sinnlos. Wieso zittern wir beispielsweise bei einem Vortrag oder wieso läuft uns dabei der Schweiß von der Stirn. Wieso verspannen wir uns oder verlieren gar die Sprache? Es scheint als handelten wir irrational und wir verstehen uns selbst nicht. Fürsorglich oder schützend erleben wir eine solche körperliche Reaktion mit Sicherheit nicht. Und doch ist sie es. Verständlicher wird es durch einen Blick zurück in die Lebenswirklichkeit unserer Vorfahren.

 

Angst - eine lange bewährte Überlebensstrategie 

Der Mensch war Zeit seines Bestehens in seiner Umwelt vielen Gefahren ausgesetzt, die heute in unserem Kulturkreis kaum noch vorhanden sind. Er musste sich vor Feinden schützen, vor gefährlichen Tieren oder anderen Gefahren. Im Wesentlichen boten sich dafür drei körperliche Verhaltensstrategien an: Flucht, Kampf und Erstarrung. Bewertete das Gehirn eine Situation als gefährlich, setzte es eine Reaktionskette in Gang, die ihn auf eine solche Situation vorbereitete. Die Herzfrequenz und der Blutdruck stiegen an, die Muskelspannung erhöhte sich. Das Sehen und Hören verbesserte sich. Diese und viele weitere körperliche Reaktionen sind hilfreich, um dem Körper Energie zur Verfügung zu stellen und ihn optimal auf Kampf oder Flucht auszurichten. Die Angst als Reaktion auf eine bedrohliche Situation ist also im Ernstfall ein Lebensretter.

 

Angst - ein alter Mechanismus in einer modernen Gesellschaft

Die Ängste der Menschen haben sich verlagert. Heute müssen wir uns nur noch in Ausnahmesituationen körperlich gegen jemanden zur Wehr setzen. Ängste haben wir aber noch immer. Manchmal sind die bewährten Angstreaktionen auch heute sinnvoll. Beispielsweise kann Angst uns davor schützen, einen Autounfall zu bauen, indem wir in einer Gefahrensituation extrem schnell auf die Bremse treten. Manchmal aber reagieren wir mit Angst auf Situationen, in denen die Angstreaktionen uns nicht weiterführen oder sogar hinderlich sind, z.B. wenn wir Angst davor haben, auf jemanden zuzugehen, um etwas zu bitten oder eben einen Vortrag zu halten. Wenn das Gehirn diese Situationen als gefährlich bewertet, reagieren wir körperlich darauf als stünde ein hungriger Löwe vor uns. Es ist ein entwicklungsgeschichtlich bewährter Mechanismus auf eine Bedrohung, allerdings ziemlich unnütz in dieser Situation. Es käme doch etwas merkwürdig, in einem solchen Szenario zu kämpfen oder zu fliehen. Nichtsdestotrotz ist es eine fürsorgliche Reaktion unseres Körpers. Er reagiert mit seinen Verhaltensstrategien eben auf das, was wir als bedrohlich ansehen. Er sagt: „Vorsicht, hier ist etwas gefährlich für dich. Ich stelle lieber mal eine Menge Energie und Aufmerksamkeit zur Verfügung“.

 

Angst - der Bodyguard, den wir häufig gar nicht brauchen

Wir haben mit der Angst also einen Wächter in uns, der automatisch, ganz ohne unser bewusstes Zutun, dafür Sorge tragen möchte, dass wir geschützt und wohlbehalten sind. Das fühlt sich für uns zwar nicht gut an, ist aber dazu gedacht, uns vor wahrgenommen Bedrohungen zu beschützen. Allerdings tut dieser Wächter das, ohne zu überprüfen, ob seine Mittel zur Bewältigung der aktuellen Situation geeignet sind. Man könnte sagen, die Angst hat sich über die letzten Jahrtausende eben nicht sonderlich weitergebildet, sondern ist leider noch im Urwald stehen geblieben. 

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am: 25.03.2020